Eindrücke aus "Ché Presente", der alljährlichen Großveranstaltung der Iniciativa Cuba Socialista, Belgien, in Brüssel vom 28. Oktober 2006

Von Josie und Dirk Brüning, 4. November 2006


"Che Présente" fand 2006 zum 13. Mal statt und stand in diesem Jahr vor allem im Zeichen der Aufbruchstimmung, die durch Lateinamerika geht und von ihren Repäsentanten Hugo Chavez und Evo Morales im Schulterschluss mit Fidel Castro und der kubanischen Regierung getragen wird. Der Ort der Veranstaltung waren die Hörsäle, Gänge und Cafeterias der Brüsseler Universität.
Die Sache der Cuban Five wurde durch Irma Sehwerert, der Mutter von René González, und Adriana Pérez, der Ehefrau von Gerardo Hernández, vertreten. Seit 2002, als Referenten, wie Gloria La Riva, die Koordinatorin der US-Kampagne zur Befreiung der fünf kubanischen politischen Gefangenen in den USA und Prof. Dr. Rodolfo Davalos, kubanischer Jurist und Experte im Fall der Fünf, eingeladen waren, nimmt die Sache der Fünf einen breiten Raum der Veranstaltung ein.
Die Verfasser nahmen an drei der Veranstaltungen im Rahmen des umfangreichen Programms teil.

1. Konferenz: Kuba, Fidel und der neue Wind in Lateinamerika

Referenten auf dem Podium: Elio Rodríguez, kubanischer Botschafter; Irma Sehwerert, Marcelo Estrada; Consejo Pro-Bolivia/MAS, Marc Vandepitte, Autor und Kubakenner; der ebenfalls angekündigte venezolanische Botschafter Alejandro Fleming hatte sich entschuldigen lassen und konnte erst in der Abschlussveranstaltung am Abend auftreten.
Die Konferenz begann mit einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer aller Terroranschläge, zu der der bolivianische Referent Marcelo Estrada aufrief.
Danach referierte der kubanische Botschafter Elio Rodríguez dazu und gedachte z.B. der Ermordung Allendes und der Opfer des Bombenanschlags auf das kubanische Flugzeug. Er nahm Bezug auf die Desinformation über die Massenmedien und über deren Leugnung der Realität in den jeweiligen lateinamerikanischen Ländern und ihrer Geschichte, wie auf die Spekulationen um Fidels mögliches Ableben und die Versuche, den Fall der fünf kubanischen Helden totzuschweigen.
Marc Vandepitte nahm sich der Geschichte Venezuelas seit 1958 an, als der Diktator Jimenez gestürzt wurde, Guerillas gegen die Vorherrschaft der reichen Oberschicht kämpften und Kennedy beschlossen hatte, das Land finanziell zu unterstützen, um der Gefahr von Links zu begegnen. Vandepitte zeigte mit entsprechenden Grafiken und Diagrammen, dass Venezuela trotz seines in Lateinamerika höchsten Prokopfeinkommens, wegen der unter den jeweiligen Oligarchien, die im wesentlichen die reiche Oberschicht vertraten, schlechten Umverteilung des BIP gleichzeitig einen über 50 prozentigen Anteil innerhalb der Bevölkerung aufwies, der unterhalb der Armutsgrenze lebte.
Obwohl die USA die Opposition in den jeweiligen hier vertretenen lateinamerikanischen Länder mit allen Mitteln unterstützt, konnten die Referenten auf erfolgreiche vom Volk getragene Abwehr hinweisen, und sie betonten die Entschlossenheit ihrer Regierungen und ihres Volkes, ihre jeweiligen revolutionären Programme gemeinsam im gegenseitigen Austausch ihrer jeweiligen Ressourcen voranzutreiben.
Marcelo Estradas erwähnte z.B. auch, dass Evo Morales jetzt das von Ché begonnene Werk fortsetzen wolle. Sein Vortrag endete mit dem Aufruf "Planeta o muerte!" und erhielt anhaltenden Applaus.
Die Fragen aus dem Auditorium nach den Details wurden sodann jeweils ausführlich beantwortet.

2. Konferenz: "El mayor amor" [Die größte Liebe]

Adriana und Irma

Zu der Frage, "Was bewegt 5 junge Kubaner, ihr Leben für ihr Land einzusetzen?" wurde eine Dokumentation mit französischen und flämischen Untertiteln über entsprechende Briefausschnitte von den Fünfen gezeigt, in denen sie diese Frage gegenüber ihren Müttern und Ehefrauen beantworten.
Die Aufzeichnung zeigte die jeweils angesprochene Frau, während ihr eine Stimme im Hintergrund den entsprechenden Briefausschnitt vorlas und sie anschließend bat, Stellung dazu zu beziehen.
Auch wenn wir nicht jedes Wort verstanden haben, die Gesichter der jeweils mit den Tränen kämpfenden Mütter oder Ehefrauen, wenn sie vor der Kamera tapfer ihre unterstützende Haltung, ihrer Hochachtung und Liebe für den jeweiligen Sohn oder Ehemann zum Ausdruck brachten, sprachen Bände. Die Dokumentation war für alle sehr ergreifend.
Irma und Adriana, die danach dem Publikum für Fragen zur Verfügung standen, sagten, auch sie hätten diese Videoaufnahmen nun zum ersten Mal gesehen und waren sichtlich ergriffen, fassten sich aber bald und beantworteten alle Fragen.

3. Abschlusstreffen

Als die kubanische Band "Sonoridad Cubana" trommelnd in den größten Saal des Gebäudes einzog und dann auf der Bühne weiterspielte, strömten die Besucher aus allen Etagen und Gängen herbei, bis auch der letzte Platz besetzt war. Und, wie wohl jedes Jahr, führten dann 1 flämisches und ein wallonisches Mitglied von Iniciativa Cuba Socialista als Conferenciers in lustiger Form durch das Programm, das schließlich mit einer Tombola endet. Zu beiden Seiten der Bühne waren jeweils große Leinwände aufgestellt, auf denen dann die Übersetzungen der folgenden spanischen Reden auf Flämisch und Französisch nachzulesen waren.
Wieder gab es ergreifende Momente, als z.B. die Stimme Renés über eine Tonbandaufnahme zu hören war und er seine Grußbotschaft an die Teilnehmer von "Che Presente", an seine Mutter und Adriana, über Telefon vortrug. Unter anderem sagte er, dass, wie man auch an dieser Veranstaltung erkennen könne, Ché sich offenbar "weigere zu sterben".
Natürlich war es mindestens genau so ergreifend, als Adriana dann die Grußbotschaft ihres Ehemannes Gerardo selber vorlas.
Weitere Einzelheiten können Sie den Übersetzungen folgender Reden entnehmen:

Alejandro Fleming, venezolanischer Botschafter in Belgien

Für die Einheit Lateinamerikas

In seinem "Lied für die lateinamerikanische Einheit" sagt der kubanische Künstler Pablo Milanes uns folgendes:
"Was aus sich selbst heraus funkelt, kann von niemandem ausgelöscht werden.
Sein Glanz kann die Finsternis anderer Küsten erreichen."
Lateinamerika und die Karibik blieben über 500 Jahre im Dunkel.
Zuerst war es das spanische Imperium, das uns nicht als Menschen anerkannte. Die ersten Bewohner Amerikas, die Verurteilten dieser Erde, waren für die Eroberer nichts anderes als Tiere, die den "Herren der Kanonen" ihre Seele und ihren Reichtum überreichen wollten.
Aber Amerika, das große Vaterland, brachte herausragende Revolutionäre hervor: Bolivar und Miranda im Norden, Sucre im Andengebirge, San Martín, O´Higgins und Artigas im Süden, Abreu und Lima in Angostura und Pernambuco, Martí in der Karibik.
Das spanische Imperium beteuerte unsere Würde, unseren Wunsch nach völliger Freiheit und Selbstbestimmung achten zu wollen.
Doch daran hielt es sich nicht.
Sie brachten es fertig, unsere Hände aus allem herauszuhalten.
Und obwohl wir Brüder sind, betrachten wir einander mit Angst.
Im Laufe der Jahre häuften sich die Gräueltaten,
die Liebe war vergessen, wir waren wie Fremde untereinander.
Davor warnte Bolívar 1826:
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika scheinen von der Vorsehung bestimmt zu sein, Amerika im Namen der Freiheit ins Elend zu stürzen.
Und tatsächlich gingen sie mit dem Knüppel durch den gesamten Kontinent: Terrorismus, Tod, zwangsweise Verschwundene, Trostlosigkeit, Hunger und Elend - Ausbeutung.
Doch die Stimme schwieg nicht.
Und Zamora und Sandino tauchten auf, und Che und Fidel; Allende und Romero, um uns daran zu erinnern, dass die Freiheit der Völker Amerikas, ihre Würde und ihr Selbstbestimmungsrecht, dass die Einheit Lateinamerikas und der Karibik nach ihrer felsenfesten Überzeugung sehr wohl möglich ist.
Bolívar entsandte einen Stern in die Welt, der an der Seite von Martí strahlte,
Fidel gab ihm die Würde, um ihn seinen Weg durch diese Länder ziehen zu lassen.
Der Name des Sterns ist ALBA.
Sein Glanz strahlt auf uns alle.
Fidel, Chavez und Morales tragen ihn auf ihren Schultern durch diese Länder. Sie säen Geschichte. Sie schlagen das Imperium, das gewalttätiger denn je geworden ist, sie besiegen den "Herrn der Kanonen", der uns Blockaden auferlegt und uns überfällt. Sie tun es mit den Waffen der Wahrheit, des Wortes und der Menschlichkeit.
Dafür setzen wir unser Leben ein, für die Zukunft unserer Kinder, die neuen Generationen.
Die Integration der lateinamerikanischen Völker kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Es ist ein Strom, der ganz Lateinamerika überspült.
Um es mit den Worten Ches zu sagen:
Dieser Strom wird mit jedem Tag größer werden. Weil er von den Massen gebildet wird, von denen, die die Räder der Geschichte bewegen, die nun aus einem langen dumpfen Schlaf erwacht sind. Dieser Strom ist nicht mehr aufzuhalten.

Dr. Reynaldo Marrero Peñalver, Direktor eines Feldlazarets im pakistanischen Himalaya

Liebe Adriana Pérez, Ehefrau von Gerardo Hernández, der in den Gefängnissen des Imperiums gefangen gehalten wird,
liebe Irma Sehwerert, Mutter von René González, der in den Gefängnissen des Imperiums gefangen gehalten wird,
liebe Katrien Demuynck, Koordinatorin von Initiatief Cuba Socialista,
sehr geehrter Herr Alejandro Fleming, Botschafter der Bolivarianischen Republik Venezuela
sehr geehrter Herr Elio Rodríguez, Botschafter von Cuba in Belgien,
liebe Teilnehmer des Solidaritätstags "Che Presente",

Die Veranstaltung, an der wir teilnehmen, trägt den Namen "Che presente" ein Ausdruck für die höchsten Werte auf dem Gebiet des Humanismus, der Solidarität und des proletarischen Internationalismus.
Ich spreche im Namen der Erfahrungen des Heers der weißen Kittel, der Ärzte, des Pflegepersonals und der Techniker des kubanischen Gesundheitswesens, die geprägt und inspiriert von diesen Werten unsere solidarische Hilfe weit weg von unserem Vaterland anbieten, trotz der Probleme mit dem Klima, der Sprache, dem Glauben oder den Lebensgewohnheiten.
Das Prinzip Martěs, unser Vaterland ist die Menschheit, ist eine erlebte Wirklichkeit, die uns anleitet in unserer Bereitschaft, wo immer auf der Welt, medizinische Hilfe anzubieten.
Wir wissen heute, dass der ungleichen Entwicklung, der Armut und dem Hunger eine weltweit kritische Gesundheitssituation zugrunde liegt.

  • Es gibt 40 Millionen AIDS-Kranke, davon 63 % in Afrika
  • Täglich werden 16.000 Menschen mit AIDS infiziert
  • 11 Millionen Kinder unter 5 Jahren sterben jährlich an heilbaren Krankheiten
  • alle 30 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind an Malaria, davon 90 % in Afrika

Während die durchschnittliche Lebensdauer 2005 in Europa für Männer 68 Jahre und für Frauen 77 Jahre betrug, beträgt sie in Afrika für Männer knapp 46 und für Frauen 48 Jahre. Innerhalb von 10 Jahren ist sie in Botswana auf 29 Jahre gesunken, in Swaziland auf 30 Jahre, in Namibia und Zimbabwe auf 33 Jahre.
Die WGO schätzt, dass in der Welt ein Mangel von fast 4,3 Millionen Ärzten, Hebammen, Pflegepersonal und medizinischen Hilfskräften besteht. Unser kleines bedrohtes Land, das unter dem Druck der schwersten ökonomischen, kommerziellen und finanziellen Blockade der Geschichte steht, gelingt es, Gesundheitsindikatoren aufzuweisen, die mit denen der entwickelten Länder vergleichbar sind. Wir bieten unserer Bevölkerung eine integrierte medizinische Versorgung von guter Qualität und hohem technischen Niveau. In der Region bilden wir einen Teil von ALBA, der die Programme der Revolution auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge den Ländern der Karibik und Lateinamerikas anbietet. Ihre prominentesten Vorbilder sind die Programme "Barrio Adentro", "innerhalb der Woche" 1, 2, und 3 in Venezuela und "Operation Wunder" [Operacion Milagro], die den Menschen das Sehvermögen zurückgibt, die an Katarakt [grauem Star], Pterygium [Wucherungen auf der Hornhaut], Nachtblindheit etc. leiden.
In Venezuela kamen 5.180.459 Patienten in die Sprechstunde der Augenärzte. 3.873.191 (74,7 %) konnten ihr Gesundheitsproblem lösen, das ist einer von 8 Einwohnern.
In Venezuela arbeiten darüber hinaus 194 diagnostische Zentren, 240 Rehabilitationsdienststellen und 6 Zentren mit hoher medizinisch-technischer Einrichtung.
Operation Wunder läuft in 29 Ländern von Lateinamerika und der Karibik, darunter in Kuba. 369.302 Patienten unterzogen sich einer Augenoperation, unter ihnen 53.400 Lateinamerikaner, 20.386 Einwohner der Karibik, 216.043 Venezolaner und 79.473 Kubaner.
In Kuba studieren 26.584 Jugendliche aus 120 Ländern. 79,5 % von ihnen studieren Heilkunde.
In Venezuela studieren 23.735 Jugendliche innerhalb des NPFM.
494 Jugendliche studieren Heilkunde an 3 Fakultäten unter der Leitung der medizinischen Brigade in Gambia, Äquatorial-Guinea, Eritrea, Guinea Bissau in Ost-Timor.
Am Abend, bevor der Orkan Katrina über die USA zog, sagte unser Commandante En Jefe Fidel folgendes: "Wir sollten Ärzte ausbilden, die dazu bereit sind, den Tod zu bekämpfen. Wir sollten beweisen, dass man auf die Tragödien, die der Welt zustoßen, reagieren kann. Wir sollten beweisen, dass der Mensch es besser kann und auch sein muss. Wir sollten Werte von Bewusstsein und Moral aufzeigen. Wir bieten Leben an."
Kuba kann sich ruhig als das Land sehen lassen, das den größten Teil seiner medizinischen Erfahrung mit anderen geteilt hat.
Liebe Freunde, ich kann in aller Bescheidenheit sagen, dass die kubanischen Ärzte mit ihrer hohen menschlichen Einfühlsamkeit, mit der sie sich der Bekämpfung von Leid und Tod widmen, eine Seite in der Geschichte über die Zusammenarbeit und die internationale humanitäre Hilfeleistung geschrieben haben. Sie haben bewiesen, dass es wirklich möglich ist - dass eine bessere Welt möglich ist.
Herzlichen Dank!

Katrien Demuynck, Koordinatorin von Iniciativa Cuba Socialista

Liebe Freunde,

wir sind froh, wieder einmal eine so gute Beteiligung zu sehen. Danke auch an die über 100 Freiwilligen, die dafür gesorgt haben, dass auch das 13. Mal von Che Presente ein Erfolg ist. Gern möchte ich diesmal auch die Solidarität der jungen Künstler von Los Callejeros und von Chuchi und seiner "Sonoridad Cubana" hervorheben. Es ist gut zu sehen, dass so viele Leute Kuba so warmherzig begegnen.
Darf ich damit beginnen, Fidel von Herzen einen glücklichen 80. Jahrestag und gute Besserung zu wünschen?
Fidel, wir wünschen Dir noch viele aktive Jahre!
Wie häufig hört man, dass die kubanische Revolution nach Fidel zusammenbrechen wird? Ich war zufällig am 31. Juli in Kuba, als die Nachrichten über seine schwere Operation bekannt gegeben wurden. Wir gingen sofort auf die Straße. Wie reagierte die kubanische Bevölkerung? Der Nachtwächter des kleinen Hotels beruhigte uns auf der Stelle. "Tranquilo, macht euch keine Sorgen, dies ist kein politisches Problem. Fidel ist einfach nur krank, er ist auch nur ein Mensch, hé."
Die ganze Welt schaute zu, was da jetzt passieren würde. Im Ausland gab es die wildesten Spekulationen und Fantasien. Aber es passierte nichts, einfach gar nichts. Außer in Miami, wo zig Cubano-Amerikaner vor den Kameras von CNN tanzten und vielleicht zum zigsten Mal umsonst ihre Koffer für Havanna packten. Auf der Insel selbst ging das Leben weiter wie üblich. Die Übertragung der Befugnisse Fidel Castros war zweifellos gut vorbereitet.
US-Präsident Bush gab inzwischen unmissverständliche Erklärungen ab. Die Kubaner könnten beim Aufbau eines freien und demokratischen Kuba auf seine Hilfe zählen ..., ein kaum verhohlener Aufruf zum Aufstand.
Pech für das Weiße Haus, denn eine überwiegende Mehrheit der Kubaner hat vollstes Vertrauen in die Führung ihres Landes. Sie finden es gut, dass die Amtsbefugnisse von Fidel zeitweilig weiter gegeben wurden. Aber ja, "er arbeitet zu viel, er muss bedenken, dass er achtzig ist und dass er so nicht weiter arbeiten kann, er sollte endlich auf seinen Arzt hören". Ab und zu wird auch ein Tränchen weg gewischt. Fidel ist sehr beliebt und viele Menschen können es sich nicht vorstellen, ihn zu verlieren.
Die Kubaner machen sich vor allem Sorgen über die mögliche Reaktion der USA. Sie wissen sehr gut, dass die Situation nicht ungefährlich ist. Sicher, die kubanische Revolution genießt immer mehr Anerkennung innerhalb der internationalen Gemeinschaft. In diesem Jahr wurde Kuba mit über Zweidrittelmehrheit in den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen gewählt. Und seit September hat Kuba für die nächsten 3 Jahre den Vorsitz über die 118 Blockfreien Staaten.
Aber trotz der zunehmenden Unterstützung hat die Aggression der USA gegen Kuba nicht im Geringsten abgenommen. Am 10. Juli gab Bush den zweiten Vorschlag seiner "Kommission zur Unterstützung eines freien Kuba" bekannt, den so genannten Plan Bush. Sie legen darin nicht nur offen, dass sie in diesem Jahr 80 Millionen Dollar dafür vorsehen, die Konterrevolution zu stärken, der Plan enthält auch eine geheime Anlage. Da man weiß, dass der Plan selbst deutlich beschreibt, wie der so genannte Wechsel herbeigeführt werden soll, braucht man für so eine geheime Anlage nicht mehr viel Fantasie. Geht es darin um weitere Terroranschläge? Neue Mordanschläge auf Fidel Castro? Einen militärischen Angriff? Es ist klar, dass Kuba und wir alle auf das Schlimmste vorbereitet sein müssen. Die Kubaner sind es jedenfalls. Während meines Aufenthalts im vergangenen Sommer stellte ich diesbezüglich eine sehr große Entschlossenheit fest: No Pasarán!
Aber nicht nur Kuba steht im Visier der USA. Sie beschuldigen auch den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez und den bolivianischen Präsidenten Evo Morales der "destabilisierenden Aktivitäten". Wir müssen die Entwicklungen in Lateinamerika aus der Nähe betrachten. Es weht ein neuer, ein linker Wind auf dem Kontinent. Lateinamerika steht vor einem wichtigen, vielleicht entscheidenden Umbruch. Es ist ein Prozess, bei dem Kuba eine Ton angebende Rolle spielt. Lasst uns - so wie Kuba - unsere Solidarität mit Venezuela und Bolivien erhöhen.
In diesem Zusammenhang möchte ich euch gerne bitten, am 9. November an dem ersten nationalen Venezuela-Solidaritätstag teilzunehmen, den ICS mitorganisiert.
Jeder, der Kuba nur ein bisschen kennt, weiß, wie wichtig die Sache der Fünf für die dortige Bevölkerung ist und wie viel unsere Solidarität mit Gerardo, Fernando, Ramón, René und Antonio für sie bedeutet.
Also, auch in dieser Angelegenheit offenbart sich die Hartnäckigkeit der USA, dem Land Schaden zuzufügen. Am 27. Mai 2005 bat die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen, die Fünf unverzüglich freizulassen. Die Anfrage wurde wieder aufgenommen. Einige Wochen später, am 9. August 2005, beschloss das 3-Richter-Gremium vom Berufungsgericht in Atlanta, dass der Prozess der Fünf ungültig sei. Die Staatsanwaltschaft ging dagegen in Berufung.
Am 9. August dieses Jahres, am Jahrestag des Urteils von Atlanta, organisierten wir in Havanna eine Pressekonferenz, um die Erfüllung dieses Urteils zu verlangen. Daniel Ortega, der ehemalige Präsident Nicaraguas, argumentierte, dass es für die USA doch noch besser wäre, um das Ansehen ihres Rechtssystems zu retten, die Fünf nachträglich freizulassen.
Inzwischen scheint nichts mehr zu retten zu sein. Später, noch am selben Abend, es wird kein Zufall gewesen sein, gab das Berufungsgericht von Atlanta sein neues Urteil bekannt: Der Prozess von Miami bleibt gültig. Durch diesen Beschluss wird noch einmal sichtbar, dass die Justiz in den USA nicht mehr unabhängig ist, sondern der Tagesordnung des Weißen Hauses unterliegt.
Es ist selbstverständlich, dass wir dies nicht auf sich beruhen lassen. Die Kubaner zählen mehr denn je auf uns. Zu diesem Zeitpunkt ist es von höchster Wichtigkeit, die öffentliche amerikanische Meinung in dieser Angelegenheit zu gewinnen. Daher möchte ich euch dringend dazu aufrufen, den "Europäischen Brief" unter www.freeforfive.org zu unterschreiben, in dem wir das amerikanische Volk bitten, gemeinsam mit uns die Freiheit für die Fünf zu verlangen.
Liebe Freunde, Solidarität darf nicht bei Worten und Absichten stehen bleiben. Die Initiatief Cuba Socialista lässt Worten Taten folgen. Im vergangenen Jahr haben wir verschiedene erfolgreiche Aktionen durchgeführt, wie u.a. vor US-Botschaft. Wir erhalten zunehmende Unterstützung von belgischen Politikern für die Sache der Fünf, und es gelang uns in zunehmendem Maße, das Schweigen der Medien zu durchbrechen. ICS ist auch einer der wichtigen Vorreiter der Solidaritätsbewegung in Europa. Wenn wir die Solidarität mit Kuba noch verstärken wollen, und das ist sicher nötig, dann brauchen wir Eure Unterstützung, die Unterstützung von Euch allen. Daher mein von Herzen kommender Aufruf, Mitglied zu werden und Freunde und Bekannte anzuwerben. Macht es - einfach nur machen!
Zum Abschluss: Wir würden Kuba gerne eine Unterstützungserklärung von den Teilnehmern dieses Tages schicken. Ich werde diese Erklärung jetzt vorlesen und möchte Euch bitten, zu applaudieren, wenn ihr damit einverstanden seid.
Die (...) Teilnehmer des alljährlichen Solidaritätstags mit Kuba, von "Che Presente" in Brüssel, der von Initiatief Cuba Socialista organisiert wurde, beglückwünschen Kuba zu seiner Wahl in den Menschenrechtsrat der UN und zu dessen Vorsitz der Blockfreien Staaten.
Wir wehren uns gegen die wachsende Aggression der USA, die am 10. Juli 2006 eine neue Version des "Plans Bush" bekannt gaben. Wir wehren uns gegen diesen Interventionsplan und wir fordern die unverzügliche Bekanntmachung des geheimen Anhangs dieses Dokumentes.
Wir prangern die Wirtschaftsblockade an, mit der die USA Kuba im Würgegriff halten, trotz deren Missbilligung durch die überwiegende Mehrheit der Mitglieder der UN.
Wir fordern von der EU, dass sie Kubas Souveränität respektiert und der Politik der USA nicht hinterher läuft.
Wir fordern die unverzügliche Freilassung der kubanischen Kämpfer gegen den Terrorismus, die in den USA hinter Gittern sitzen. Wir werden für ihre Sache weiter eintreten, bis sie in ihr Vaterland zurückkehren können.
Cuba socialista vencera!

Grußbotschaft von Gerardo Hernández Nordelo

Liebe Schwestern und Brüder:

Brief von Gerardo
Aus fünf Gefängnissen des Imperiums grüßen Euch Eure kubanischen Compañeros, die für die Verteidigung ihres Volkes gegen den Terrorismus hohe Strafen verbüßen, zu dem Fest "Ché Presente".
Kein anderer Name könnte passender sein, weil wir wissen, das Ché bei dieser Veranstaltung präsent sein wird. Er wird in Irma gegenwärtig sein, der würdigen Vertreterin der kubanischen Mütter, die dem Vaterland Söhne gegeben haben, von der Größe Renés, die bereit sind, für die Verteidigung zu sterben.
Er wird in Adriana gegenwärtig sein, der standhaften und opferbereiten Frau, einer wahren Repräsentantin der neuen Generation, die von der Revolution geprägt wurde. Er wird in allen und jedem von Euch gegenwärtig sein, die ihre Zeit und Energie der Verteidigung gerechter Anliegen widmen, und die dafür kämpfen, dass eine bessere Welt Wirklichkeit wird, die Welt von der Ché träumte.
Wir wünschen Euch von hier aus viel Erfolg. Nehmt unseren Dank für die Gastfreundschaft und die Zärtlichkeit, die ihr unseren Familien entgegenbringt, und unsere Wertschätzung für Euren wichtigen Beitrag zu unserem Kampf um Gerechtigkeit.
Für immer bis zum Sieg!
Nehmt hiermit alle die revolutionäre Umarmung der Fünf.

Gez.: Gerardo Hernández Nordelo
Bundesgefängnis Victorville, Kalifornien
Oktober 2006

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