Offener Leserbrief zum Artikel "Warten auf den Tag X", im Dossier der Wochenzeitung Die Zeit, Nr. 2 vom 4. Januar 2007
von Jörg Burger

Von Josie Michel-Brüning

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit schierer Fassungslosigkeit und Verzweiflung habe ich Ihren oben genannten Artikel gelesen. Soll jetzt das deutsche Bildungsbürgertum von der exilkubanischen Mafia in Miami und der mit ihr besonders eng verflochtenen Bush-Administration über die Zustände auf Kuba "informiert" werden? Soll über den Umweg einer Desinformationskampagne gegen Kuba der Rechtsradikalismus Einzug in "Die Zeit" halten?
Soll z.B. ein Umberto Ecco in der selben Ausgabe dazu missbraucht werden, für die Seriosität Ihrer Berichterstattung gegenüber dem Leser gerade zu stehen?
So, wie "unsere" Rechtsradikalen den Holocaust leugnen, so leugnen die rechtsradikalen Exilkubaner die 20.000 Toten, (bzw. zu Tode gefolterten) und Verschwundenen des Batista-Regimes, die Zustände im vorrevolutionären Kuba, als Havanna, von Mafiosi wie Traficante und Meyer-Lansky beherrscht, ein einziges Bordell und Spielkasino für US-Matrosen und Mafiabosse war. Wie kann der angeblichen Protagonistin ihres Autors "Maria Pérez" die eigentliche Ursache für die relative Armut auf Kuba entgangen sein, nämlich die nun fast 5 Jahrzehnte andauernde US-Handelsblockade. Sie scheint außerdem den verdeckten Krieg gegen die kleine Insel über die von der CIA ausgebildeten Exilkubaner nicht wahrgenommen zu haben. So wurden die ersten "Komitees zur Verteidigung der Revolution" in Reaktion auf den Sprengstoffanschlag auf das Schiff "El Coubre" [Berichtigung: La Coubre] im März 1960 gegründet, wonach etwa 100 Tote zu beklagen waren.
Ihre Kinder, die sie laut ihrer angeblichen Aussage wegen des "Castro-Regimes" verlassen haben, um in Miami im Wohlstand leben zu können, hätten diese Flucht aus Kuba vielleicht nicht nötig gehabt, wenn man das nach basisdemokratischen Prinzipien organisierte kubanische System in Ruhe gelassen hätte. Ganz sicher aber könnte sie öfter mit ihnen zusammen sein, wenn es die von der US-Administration auferlegten Reisebeschränkungen nicht gäbe.
Ihr Autor erweckt den Verdacht, von der Mafia gekauft worden zu sein. Oder hat ihm Alberto Montana, ein ehemaliger Kaufhausbombenleger in Kuba und bekannter exilkubanischer Autor, den Text in die Tasten diktiert? Es gibt schließlich auch noch die letztlich durch US-Steuern bezahlten "Reporter ohne Grenzen", die im Dienste der US "public diplomacy" stehen.
Ihr Autor scheint nicht zu wissen oder zumindest ignorieren zu wollen, wie viele Anschläge auf Fidel Castros Leben schon verübt wurden (der kubanische Geheimdienst registrierte 600). Was meinen Sie, was passierte, wenn man seine jetzige Krankenhausadresse öffentlich bekannt gäbe?
Wenn Sie kubanischen Quellen nicht glauben wollen, dann recherchieren Sie im Internet über die Meinung von Leuten, wie Wole Soyinka; Adolfo Pérez Esquivel; Nadine Gordimer; Desmond Tutu; Rigoberta Menchú; Noam Chomsky; Oscar Niemeyer; Mario Benedetti; Harry Belafonte; Pablo González Casanova; Ernesto Cardenal; Thiago de Mello; Danny Glover; Eduardo Galeano; Alice Walker; Manu Chao; Atilio Borón; Francois Houtart; Ignacio Ramonet; Luis Sepúlveda; Tariq Ali; Ramsey Clark; Gianni Miná; Frei Betto; Miguel Bonasso; Harold Pinter, ja, sogar Günter Grass hat 2005 einen offenen Brief an den US-Justizminister Alberto Gonzales mit der Bitte um Freilassung der in Miami zu Unrecht verurteilten fünf Kubaner unterschrieben, die ihr Land unbewaffnet vor weiteren Terroranschlägen schützen wollten.
Oder lesen Sie einfach, was US-Historiker, wie Howard Zinn, der Linguist, Philosoph und anerkannte US-Autor Noam Chomsky, der ehemalige Mitarbeiter des State Departments William Blum, die Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer, der US-Soziologe James Petras, der US-Menschenrechtsanwalt Leonard Weinglass u.a. in: "Superpower Principles", edited by Salim Lamrani in Common Courage Press, 121 Red Barn Road, Monroe, ME 04951 dazu sagen.
Sie alle haben keine Blutspur hinter sich hergezogen, wollen und können ihre Überzeugungskraft nicht mit Waffen- und Drogenschmuggel finanzieren, im Gegensatz zu den Drahtziehern in Miami und im Weißen Haus.
Um Ihrer Redaktion den Vergleich zu ermöglichen und die Recherche zu erleichtern, füge ich diesem Schreiben eine Liste der Terroranschläge seitens der Mafia in Miami gegen Kuba, dem Objekt ihrer Rachsucht und obsessiven Begierde, bei.
Es ist doch kein Zufall, dass Ihr Jörg Burger in Kuba nicht die Verwandten, Mütter, Ehefrauen Kinder der Cuban Five besucht hat, sondern ausgerechnet, lanciert über Miami, eine der wenigen der von den USA bezahlten Dissidentenszene nahestehenden Personen.
Weitere Informationen zu dem Fall der "Cuban Five" finden Sie unter www.freethefive.org oder auf Deutsch unter www.miami5.de .

Mit freundlichen Grüßen

Josie Michel-Brüning

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