MIAMI FBI terrorist CONNECTION

 

Jean-Guy Allard

II.

VON PUERTO RICO NACH FLORIDA

1997 organisierte Luis Posada Carriles, mit direkter Unterstützung von Arnaldo Monzón Plasencia und anderen Direktoren der Cuban American National Foundation (CANF) [Kubanisch-Amerikanische Nationalstiftung], wie "Pepe" Hernández, Alberto Hernández, Roberto Martín Pérez, Antonio "Toñin" Llama, Feliciano Foyo and Roberto Weill Pinetta, einen Attentatsversuch gegen Fidel Castro. Das Attentat sollte während des VII. Ibero-Amerikanischen-Gipfels auf der venezolanischen Insel Margarita begangen werden.
Als die US-Küstenwache die Yacht La Esperanza im Oktober 1997 in den Gewässern nahe Cabo Rojo, Puerto Rico, aufbrachte, glaubte man, das Motorboot transportiere Drogen. Statt Narkotika fanden die Agenten ein Waffenarsenal. In einem geheimen Schott, das mit einem Teppich bedeckt war, fand man sieben Kisten Munition, Militäruniformen, sechs Radios, ein Satellitentelefon, Nachtsichtgeräte und zwei weitreichende Offensivgewehre, jedes mehr als 7000 $ wert, mit denen man ein Ziel in einer Entfernung von einer Meile (ca. 1.6 km) erreichen kann.
An Bord des Schiffes rief einer der vier Besatzungsmänner sichtlich erschreckt den Beamten zu: "Das sind meine Waffen! Die anderen wissen nichts davon. Ich habe die selber darein getan. Die sind dafür da, Fidel Castro zu erschießen!" Diese Behauptung wurde später durch die Navigationsdaten des Schiffes bestätigt, die zeigten, dass das Boot zur venezolanischen Insel Margarita fahren sollte, und tatsächlich würde Fidel Castro ein paar Tage später am Ibero-Amerikanischen Gipfel teilnehmen. Für diese lange Fahrt war die kräftige 47 Fuß (etwas über 14 m) lange Yacht mit Spezialtanks mit 2000 Gallonen (7580 l) zusätzlichem Treibstoff ausgerüstet.
Die Aussage des Besatzungsmitglieds Angel Alonso Alemán aus Miami, was auch immer sein tatsächliches Ziel gewesen sein mag, veranlasste die Coast Guard, Anzeige zu erstatten, wegen des gefundenen gefährlichen Materials und den Schlussfolgerungen aus der "spontanen" Aussage des Verdächtigen. Die Ermittlungen sollten schon bald direkt zur CANF führen, einer Emigrantenorganisation mit starken politischen Verbindungen sowohl zu jedem US-Präsidenten und jeder wichtigen Führungspersönlichkeit, Demokraten und Republikaner, als auch zur CIA seit ihrer Gründung unter der Reagan-Administration.
Die vier Insassen des Schiffes wurden zur Zeit ihrer Verhaftung als Angel Alfonso Alemán, 57, Manager einer Textilfirma in Union City, New Jersey, Francisco Córdova, 50, Berufsfischer aus Marathon, Florida, Angel M. Hernández Rojo, 64, Trödelhändler in Miami, und Juan Bautista Márquez, 61, pensionierter Seemann aus Miami, identifiziert.
Hier erscheint Héctor Pesquera auf der Bildfläche, ein "Sonderagent" und damals Chef der FBI-Station auf Puerto Rico. Dieser Mann ist der perfekte FBI-Agent, wie aus einem US-Polizeifilm im Fernsehen. Immer elegant, er trägt das Image der Unbestechligkeit, wie es so häufig auf dem Bildschirm zu sehen ist.
Als er vor der Presse die Unschuldsbeteuerung der Angeklagten kommentierte, kam Pesquera, der keine Gelegenheit auslässt, sich fotografieren zu lassen, mit einer Phrase, die wie für eine Titelzeile geschaffen war: "Niemand geht mit Waffen des Kalibers 0.5 angeln!" Er schwor, dass es zweifellos zu verschiedenen Anklagen vor Gericht kommen werde, wenn denn die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen habe.
Nichtsdestotrotz hatte er wohl den politischen Hintergrund des Falles gerochen und fügte hinzu: "Es könnte außenpolitische Folgen haben und deshalb sollte man nichts ausschließen."
Der gerissene Showman deutete an, dass er Instruktionen von "oben" erwarte.
Aber schon bald ergaben die Ermittlungen, dass Francisco "Pepe" Hernández, 61, Präsident der CANF, früherer Navy-Veteran und millionenschwerer Geschäftsmann der Besitzer der beiden Barret-Gewehre Kaliber 0.5 war, die man an Bord der "La Esperanza" gefunden hatte. Seit dem Tod von CANF-Gründer Jorge Mas Canosa ist dieser Typ der bekannteste Konterrevolutionär von Miami.
Außerdem erfuhren die Ermittler, dass José Antonio "Toñin" Llama, 66 Jahre alt und Mitglied des Exekutivkomitees der CANF der Besitzer der Yacht war und dass Alfredo Otero, ein anderer Aktivist der konterrevolutionären Gruppierung, verantwortlich für die Kommunikation während dieser kriminellen Operation war. Über die Mannschaft des Schiffes erfuhr man, dass der Vater des 1948 auf der Ranch Veloz in der Provinz Las Villas geborene Francisco Secundino "Panchito" Cordova Torna, Skipper des Schiffes und Boss des Fischers, 1961 gemeinsam mit seinem Sohn Kuba auf seinem Schiff Conchita II illegal verlassen hatte. 1965 wurde er von Emilio Reyes für Infiltrationsgruppen der CIA rekrutiert. Er war Besatzungsmitglied des Mutterschiffs "Explorer" und nahm so an mehren Angriffen gegen die kubanische Küste teil. Am 22. Dezember 1966 wurde er an der Küste von Dolores in Las Villas festgenommen, als er versuchte, Konterrevolutionäre aufzunehmen.
Nach seiner Rückkehr in die USA 1991 versuchte er ein Schiff voller Sprengstoff aufzutreiben, um damit den Seewall von Havanna anzugreifen. Sein Schiff diente auch als Mutterschiff bei einem Einfall in Kuba bei Cárdenas in der Provinz Matanzas.
Er trat der Terrororganisation Comandos L bei und nahm an mehreren Terroranschlägen teil. Später verließ er die Gruppe, behielt aber guten Kontakt zu Tony Bryant, Reynaldo Aquit, Héctor Alfonso Ruiz, José Menéndez Mirabal, Sergio González Rosquete und anderen bekannten Delinquenten.
Ensign Hernández Rojo, 1930 in Havanna geboren, ist ein weiterer "anti-Castro" Militant. Er ist ein an den Universitäten Havanna und Pensacola ausgebildeter Jurist und emigrierte 1963 nach Puerto Rico und später nach Miami. Anschließend wurde er von der CIA rekrutiert und betätigte sich als Kapitän auf einem Mutterschiff, das an zahlreichen Einfällen und Piratenangriffen gegen Kuba beteiligt war.
Um dem Ganzen die Spitze aufzusetzen, wurde einige Wochen später, im Januar 1998, einer der vier Besatzungsmitglieder der "La Esperanza", Juan Bautista Márquez, der sich auf Bewährung in Freiheit befand, erneut verhaftet ... nur um von der Drogenfahndung wegen des Schmuggels von 365 Kilogramm Kokain als Teil einer größeren Verschwörung mit Geldwäsche und der Einfuhr von 2000 Kilogramm Narkotika angeklagt zu werden.
Natürlich ließen alle Beteiligten durch ihre Anwälte, die jeden juristischen Trick einsetzten, um die Unschuld ihrer Klienten zu "demonstrieren", jedes Fehlverhalten von sich weisen. Bis auf Alfonso, der seinen Namen dadurch rein waschen wollte, dass er stolz Fotos von sich und dem damaligen Präsidenten Clinton, Senator Robert Torricelli, Jorge Mas Canosa... und sogar Félix Rodríguez Mendigutía zeigte. (Rodríguez war einer der berühmten "Klempner" von Watergate, der CIA-Agent, der die Erschießung von Ernesto Che Guevara in Bolivien anordnete und eine der Hauptfiguren im Iran-Contra-Skandal.) Ein Protestkonzert, frenetisch angeführt von Ninoska Pérez-Castellón, der damaligen Propagandachefin der CANF und Anwältin von Alfonso, versicherte lauthals mit erstaunlichen Argumenten die Unschuld ihres Klienten. Wo doch die CIA so oft versucht habe, Fidel Castro zu ermorden, wie könne dann die Staatsanwaltschaft einen armen unschuldigen Mann wie Alfonso dafür anklagen, dass er das selbe getan habe?
Inzwischen mobilisierte die kubanische Mafia ihre Leute auf verschiedenen Ebenen: durch Proteste, theatralische Erklärungen und Desinformations-Kampagnen und ganz allmählich versank der Fall der "La Esperanza" auf mysteriöse Weise in den stürmischen Wassern des US-Rechtsapparats. Langsam aber sicher löste sich der Fall mit der helfenden Hand von Héctor Pesquera auf, der offensichtlich grünes Licht bekommen hatte, die Verschwörer der "La Esperanza" aus dem Sumpf zu ziehen.
Schließlich, am 28. August 1998, nach zehn Monaten Ermittlung unter seiner Verantwortung, klagte eine Grand Jury in Puerto Rico die Besatzungsmitglieder an Bord der Esperanza, die gemeinsam mit José Antonio "Toñin" Llama, José Antonio Rodríguez Sosa und Alfredo Domingo Otero in Cabo Roja inhaftiert waren, der Verschwörung, einen Staatschef unter Leitung der CANF ermorden zu wollen. (Domingo Otero wurde wenige Monate später ein persönlicher Freund Pesqueras.)
Ein interessantes Detail: durch puren Zufall war der Anwalt von Alfonso kein anderer... als Ricardo Pesquera, der Cousin des Sonderagenten Héctor Pesquera.
Die Anklage ließ die beiden Besitzer der Gewehre mit dem Kaliber 0.5 aus: Präsident José "Pepe" Hernández und Juan Evelio Pou, beide Mitglieder der Brigade 2506, beide dafür bekannt, dass sie in der Vergangenheit paramilitärische Aktivitäten unterstützt hatten.
Als Teil der juristischen Verschwörung versuchte der Bundesrichter Héctor M. Lafitte im Frühjahr 1999 das Verfahren nach Miami zu verlegen.
Am 2. Dezember des selben Jahres verfügte er auf opportunistische Weise einen Mangel an Beweisen in dem Fall von Alfredo Domingo Otero, und am 8. ließ das Gericht von Puerto Rico alle Anklagen gegen den Rest der Angeklagten fallen.
Allerdings hatte Supercop Pesquera - der gemeinsam mit den Richtern und den Kriminellen die Befreiung der Verdächtigen in einer religiösen Messe mit anschließender Party gefeiert hat - lange vor dieser zurechtgebastelten Entscheidung seinen Lohn erhalten.
Louis Freeh, der Chef des FBI hatte ihn zum Special Agent in Charge (SAC) [Verantwortlicher Sonderagent] für... Südflorida ernannt. Um was Schöneres sollten seine Freunde des Hialeah-Kartells noch bitten?

o o o

In ihrem Buch "Cuba Confidential" [Kuba Vertraulich] aus dem Jahr 2003 erzählt uns die US-Journalistin Ann Louise Bardach wie der Puertoricaner Héctor Pesquera als neuer Special Agent in Charge des FBI von Südflorida 1998 in Miami ankam.
"Aber die Hoffnungen der Agenten und Polizeibeamten waren schnell zerstört. Pesquera sagten sie, habe damit angefangen, sich mit der Führungsriege der Exilanten wie Alberto Hernández (früheres Mitglied der CANF), Ileana Ros-Lehtinen, Domingo Otero (ein anderer früherer CANF-Hardliner) und Roberto Martín Pérez, ein früherer kubanischer politischer Gefangener, dessen Vater unter Batista Polizeikapitän in Havanna war, zu verbrüdern. Pesquera habe, so sagte ein Agent aus dessen Büro, bald eine Rechtswende vollzogen und alle Ermittlungen gegen den Terrorismus der Exilanten eingestellt."
Zu dieser Liste der kalifornischen Reporterin, die 1998 das berühmte Interview mit Posada erhielt, in dem der alte Auftragsmörder seine Verbrechen zugab, kann man getrost noch weitere Namen hinzufügen, so wie: Héctor García, Luis Zuñiga Rey und José Basulto. Aber wer sind all' diese Leute?

  • Einer der Beschuldigten im Fiasko der "La Esperanza", Domingo Otero, wurde 1960 von der CIA rekrutiert. Ausgebildet im Umgang mit Sprengstoff war er Kapitän des Mutterschiffs Rex, das bei zahlreichen Terroranschlägen auf Kuba eingesetzt wurde. Er leitete die terroristischen Aktivitäten der CANF gemeinsam mit Horacio Garcia und Luis Zuñiga Rey.
  • Kongressabgeordnete Ileana Ros-Lethinen ist die Tochter von Enrique Ros Pérez, einem Verteidiger des Terrorismus' par excellence, der seine Interpretation der fehlgeschlagenen Invasion in der Schweinebucht mit einem Vorwort von... Orlando Bosch publiziert hat. Ros-Lethinen war unter den begeistertsten Entführern des kubanischen Kindes Elián Gozález. Ein freundlicher Brief dieser Frau an Rodolfo Frómeta, Chef der Terrorgruppe Comandos F-4 in Miami, wurde einst in der Miami New Times veröffentlicht.

  • Roberto Martin Pérez, der frühere Direktor der CANF und Gründer des Cuban Liberty Council (CLC) [Kubanischer Freiheitsrat], ist der Sohn des berüchtigten Handlangers Batistas Colonel Lutgardo Martín Pérez von der blutrünstigen motorisierten Polizei. Er selbst arbeitete ebenfalls als Polizeioffizier für Batista und erreichte den Rang eines Searganten. Er wurde am 13. August 1959 im Flughafen von Trinidad, Kuba, verhaftet als er dort mit konterrevolutionären Soldaten, die vom dominikanischen Diktator Rafael Leónidas Trujillo aufgestellt worden waren, ankam. Er leitete das paramilitärische Komitee der CANF und diente als Geldbeschaffer für Alpha 66. Außerdem nahm er an der Planung von Anschlägen auf den kubanischen Präsidenten teil.

  • Horacio García war ebenfalls einer der Leiter des paramilitärischen Komitees der CANF, das der internationale Terrorist Luis Posada Carriles öffentlich als seine wesentliche Quelle für finanzielle und logistische Unterstützung bezeichnete. García trat wenige Tage vor 9/11 aus der CANF aus, um sich der "harten Linie" des CLC anzuschließen.

  • Luis Zuñiga Rey ist CIA-Agent und Gründer des paramilitärischen Komitees der CANF. Er war laut eines Berichtes des Sonderberichtserstatters der Vereinten Nationen Enrique Bernales Ballesteros an der Terrorkampagne in Kuba im Jahre 1997 beteiligt, die von bei Luis Posada Carriles unter Vertrag stehenden Söldnern duchgeführt wurde.

  • José Basulto ist Chef der Organisation "Brothers to the Rescue" [Brüder zur Rettung]. Er war beteiligt an zahllosen subversiven Plänen gegen Kuba, einschließlich von Sabotageplänen gegen Hochspannungsmasten und Waffenschmuggels im Versuch, den kubanischen Präsidenten zu töten.

KAPITEL III: Ein "Netzwerk von Spionen"
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